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UNS WURDE DAS WERTVOLLSTE GESTOHLEN - DIE KINDHEIT!

Am 1. April 2017 trat das AFZFG - Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 in Kraft. In dessen Rahmen findet eine Wissenschaftliche Aufarbeitung statt und den Opfern wird ein Solidaritätsbeitrag von Fr. 25'000.- anerkannt.

«Dieser Betrag ist ein Pappenstiel im Vergleich zu den wirtschaftlichen Schäden, die wir erlitten haben,» sagen Tausende von Betroffenen. «Uns wurde das Wertvollste gestohlen, die Kindheit!»

Vielen Betroffenen ist der Bildungsweg verschlossen geblieben und nicht wenige haben gesundheitliche und psychische Schäden davongetragen. Die 25'000 Franken helfen zwar kurzfristig, um Schulden und offene Rechnungen zu bezahlen. Ich, als Vertreterin der Opfer von Zwangsadoption, hätte mir nachhaltigere Massnahmen gewünscht. Wie beispielsweise die Erhöhung der Altersrente auf das Niveau eines Durchschnittsverdieners. «Um immerhin im Alter eine lebenswürdige Existenz zu haben, nachdem uns das ein Leben lang verwehrt war». Auch ein höherer Betrag (die Vertreter der Opfergruppen forderten am Runden Tisch 120'000 Franken,) hätten bessere Auswirkungen gehabt. Tausende von Betroffenen sind auch heute noch am Rand der Gesellschaft und werden nun weiter in diesem Elend der Armut belassen.


Manche Betroffene waren im Lauf ihrer Kindheit - Jugendzeit

sowohl Heimkind als auch Verding- Pfleg- und Adoptivkind.

Erwachsene erlitten - Zwangsabtreibung, Zwangssterilisation, -kastration, Zwangsadoption und auch administrative Versorgung

 

BEGRIFFSERKLÄRUNG FÜRSORGERISCHE ZWANGSMASSNAHMEN = FSZM
Bis in die 80er Jahre wiesen Armenpflegen, Waisenämter, Vormundschaftsbehörden, oft auch in Zusammenarbeit mit privaten Institutionen wie  Jugendschutzkommissionen, Pro Juventute, Seraphische Liebeswerke, Gotthelf-Stiftung, Heilsarmee, Frauenvereine, Armenerziehungsvereine, Mutter-Kindheime, Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, aber oft auch deren Mütter und Väter, in Anstalten ein, weil ihnen Liederlichkeit, Arbeitsscheu oder lasterhafter Lebenswandel vorgeworfen wurde.
Sehr oft wurden diese Einweisungen und administrativen Versorgungen angeordnet, ohne dass den Betroffenen das Recht auf eine gerichtliche Überprüfung eingeräumt worden wäre. Vielmehr genügten dazu einfache Verfügungen, oft auch bloss mündliche Abmachungen unter den über die Schicksale dieser Mitmenschen Bestimmenden.
Auch an den Orten, wo die Betroffenen im Zuge solcher «Versorgungen» untergebracht wurden, wurden die Rechte vieler Betroffener nicht gewahrt. Kinder wurden als Verding-, Pfleg-, Heim- und Adoptivkinder oft schlecht ernährt und gekleidet, viele wurden misshandelt, oft auch sexuell missbraucht. Zahlreiche Jugendliche und Erwachsene wurden in Strafanstalten oder geschlossenen Abteilungen von psychiatrischen Anstalten untergebracht und verbrachten dort den Alltag mit Strafgefangenen.
Die Eltern der so Inhaftierten wurden in vielen Fällen im Unklaren über das Schicksal ihrer Kinder gelassen. Wenn sie sich dagegen wehrten, kam es nicht selten vor, dass sie selbst in Zwangsarbeitsanstalten oder in psychiatrische Kliniken eingewiesen wurden. 
In den Anstalten selbst kam es vielerorts zu schwerwiegenden Verletzungen der persönlichen Integrität. Besonders gravierend ist aus heutiger Sicht die hohe Anzahl forcierter Adoptionsverfahren mit der Folge, dass sehr viele der betroffenen Mütter noch heute nicht wissen, wo ihre Kinder sind. Es kam auch zu Zwangsabtreibungen und zu Zwangssterilisationen insbesondere an unverheirateten Frauen aus der Unterschicht. Wobei zu letzterem einzig im Kanton Waadt eine gesetzliche Grundlage bestand.
Oft wurden die Betroffenen vor die Alternative gestellt, entweder dieser schwerwiegende medizinische Eingriff über sich ergehen zu lassen oder aber lebenslänglich in Anstalten interniert zu verbleiben. Manche Zwangssterilisationen wurden auch ohne Wissen der Betroffenen durchgeführt und beispielsweise als Blinddarmoperationen ausgegeben.

Quelle:

2013 erarbeitet von den Vereinen

administrativ-Versorgt

netzwerk-Verdingt

Fremdplatziert

Zwangssterilisation

Zwangsadoption-Schweiz

zu Händen des Runden Tisch für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen