ZUM ARZT? DAS KANN ICH MIR NICHT LEISTEN!!

 

«Wann hast du das letzte mal Kuchen gebackt?»

 

Noch schnell putze ich die Küchenablage von Mehl

und Schokosplit frei

und hohle den Schokoladenkuchen aus dem Backoffen.

 

Mmmm,

perfekt und wie es duftet. 

Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

Während dessen er abkühlt,

- ich kann es kaum abwarten -

nutze ich die Zeit um mein E-Mail Konto durchzusehen.

 

Ich staune nicht schlecht,

gleich sechs Krankenkassen-Offerten,

sind eingegangen.

- Es ist November - 

 

Ich werde meine Kasse nicht wechseln.

Doch beim Anblick der Angebote,

schweife ich in eine Zeit ab,

wo ich mir den Arzt nicht leisten konnte. 

 

Wenn ich in der Schweiz einen Arzt

oder eine Klinik aufsuche,

nehme ich an,

dass dort alles getan wird,

was zur Heilung beitragen könnte.

 

Schliesslich legt jeder Mediziner

das vom Weltärzteverbund 1948

beschlossene Genfer Gelöbnis ab:

 

«Die Gesundheit meines Patienten

soll oberstes Gebot meines Handelns sein.»

 

Und auch die Bundesverfassung verspricht:

 

«Bund und Kantone setzen sich in Ergänzung

zu persönlicher Verantwortung

und privater Initiative dafür ein,

dass jede Person die für ihre Gesundheit notwendige Pflege erhält.»

 

Tatsächlich jedoch verlieren immer mehr Menschen

in der Schweiz den Zugang zu 

«notwendiger Pflege»

 

Glaub mir,

ich spreche aus eigener Erfahrung,

das Personen nur erste Hilfe erhalten

und dann vor die Türe gesetzt werden. 

 

Ich meine,

wer nicht zahlen kann,

wird allen Schwüren

und hehren Worte zum Trotz,

zum Patienten zweiter Klasse.

 

«Kennst du diese Seite, zweit Klasse Patient/in zu sein?»

 

Nein!

Dann lade ich Dich ein,

mir in meine Vergangenheit zu folgen.


Meine kleine Familie nimmt einen sehr hohen Stellenwert ein.

Mein Mann ist mein Anker im Sturm

und unsere wunderbaren Kinder meine Muse.

 

Sei einem Jahr (2004) gehen mein Mann

und ich,

nach gegenseitiger Erkenntnis,

getrennte Wege.

Keiner weiss,

für wie lange oder ob für immer.

Der springende Punkt,

wir sind Freunde fürs Leben

und fühlen uns Lebendiger denn je

und erfreuen uns der kleinen Dinge. 

 

Beruflich stehe ich,

wie so oft schon,

auf wackeligen Beinen.

Gelinde gesagt,

ich wurde gefeuert,

weil ich zu oft abwesend bin

- Stimmungsschwankungen -.

 

Apropos Stimmungsschwankungen,

hier erfährst Du mein Geheimnis.  --->

Doch momentan halte ich mich mit Putz-Jobs über Wasser

und privat baue ich gerade an einem Bücherregal.

Basteln ist eines meiner Hobbies.

 

Noch schnell bringe ich die zugeschnittenen Holzbretter in die Wohnung,

um sie dann zusammen zufügen.

Aber gerade jetzt passiert mir ein Malheur.

 

Ein dumpfes Geräusch,

ein Aufprall,

ein verzerrtes Gesicht

ein SCHREI.

 

Ein Holzbrett glitt mir aus der Hand,

und ach herrjeh,

ich trage,

wie so oft,

keine Schuhe.

Barfuss gehen soll schliesslich Gesund sein.

 

Der Ecken des Holzbrettes hat sich in mein Fuss gebohrt.

Als ich mit dem Fuss auf den Boden trete,

schreie ich wieder auf.

Und beim Anblick der offenen Wunde,

wird es mir fast Übel.

 

Himmelarsch und Zwirn,

wenn ich jetzt im Job aussteige,

dann sehe ich Schwarz.

Denn ich bin im Stundenlohn Angestellt

und bei Krankheit

oder Unfall nicht bezahlt. 

 

Ich ging auf das Schelmische Angebots

meines Arbeitgeber ein,

muss ja Geld verdienen.

Der Schelm ist sehr clever,

lässt seine Mitarbeiter

knapp unter 8 Stunden pro Woche arbeiten.

Genau sind es 7 Stunden und 45 Minuten.

Hiermit kann er sich die Abgabe

der Unfallversicherung für Mitarbeiter/in einsparen

und ich habe nun das Nachsehen.

 

Aua, mein Fuss!

In der Eile hat es ein Küchentuch getan,

um die Blutung zu stoppen.

Und da sitze ich - im Notfall.

 

Du kannst mir glauben,

es sind nicht die Schmerzen,

die mir Tränen bescheren,

es ist meine misse soziale Lage.

 

Ich befürchte schon jetzt,

dass ich eine Zeitlang nicht Arbeiten werde

und somit kein Geld erwirtschafte.

 

Und gerade jetzt,

ich habe unerträglich starke Schmerzen,

trotz Schmerzmittel,

kommt die Hiobsbotschaft,

dass ich im Spital bleiben muss 😱.

 

Das ich nach Hause kann,

ist Aussichtslos.

Ich beziehe auf der Station mein Bett

und stelle mich meiner Nachbarin vor.

Erhalte eine Flasche Trinkwasser

und der Fernsehe wird mir

von der netten Krankenpflegerin erklärt.

Dann wird mein Fuss versorgt.

 

Nochmals Röntgen

und dann entweicht mir das Geschehene -

Operation.

 

Wieder im Zimmer,

bestaune ich den blauen Verband.

Verflixt,

ich hätte mir einen roten Verband gewünscht.

 

Ich sehe mir gerade einen Film an,

als ...

wie geschieht mir,

ich werde aus dem Spital geworfen.

 

«Fragst Du Dich auch»: 

«Warum?»

 

Ganz einfach: 

meine Krankenkasse bezahlt den Aufenthalt nicht.

Mit Schmerzmittel eingedeckt

und einem Termin beim Hausarzt,

sitze ich nun da.

 

Die Krankenkassenprämien für meine Kinder bezahle ich immer. 

Jedoch für meine eigene Gesundheit reicht das Haushaltsbudget dagegen nicht aus.

Und so suche ich aus Angst vor weiteren Kosten,

den Arzt gar nicht erst auf. 

 

Aus Verzweiflung kontaktiere ich die Krankenkasse

und schildere meine Situation.

Statt Verständnis gibt es Verachtung.

 

Genau dass spornt mich an zu recherchieren.

Mittlerweile betrifft jede fünfte Betreibung in der Schweiz

die Forderung einer Krankenkasse.

So eine lag auch bei mir vor

und deshalb verhängt mein Krankenkassen-Anbieter

kurzerhand einen Leistungsstopp.

Also stecke ich ganz tief im Schlamassel.

 

«Was meinst du,

was würde meine Lage verbessern?»

 

Ich besprach auch mit meinem Hausarzt,

meine Aussichtslose Lage.

Schlussendlich leistet er Nothilfe.

 

Über mein vorhaben,

einen weiteren Job anzunehmen,

- ich gehe trotz Schmerzen Arbeiten -

ist er nicht erfreut

und macht sich über meine Gesundheit ernste Sorgen.

 

Nun,

ein weiterer Job steht eh nicht in Aussicht,

weil meine Kompetenzen den Jobprofils,

die auf dem Markt sind,

nicht entsprechen.

Leider sind damit meine Probleme

mit der Versicherung nicht gelöst.

 

Das Kantone Versicherte,

die wegen ausstehender Prämien betrieben werden,

auf eine SCHWARZE LISTE setzt,

die von Ärzten,

Kliniken,

Therapeuten

und Apotheken eingesehen werden können,

macht mich sauer.

 

Wer darauf auftaucht,

wird nur noch im Notfall behandelt,

wie ich zur Zeit.

 

Das grosse Manko dieser Listen:

Sie unterscheiden nicht zwischen Versicherten,

die nicht bezahlen wollen

und jenen,

die nicht bezahlen können. 

 

Rechtsbürgerliche Politiker kümmert das wenig.

Vertreter der SVP forderten bereits

die Aufhebung des Krankenkassen-Obligatoriums.

Die Idee,

dass nur noch zum Arzt gehen können soll,

wer seine Prämien bezahlt hat,

findet inzwischen breite An­erkennung.

 

Ernst jetzt?

Ja, leider!

Politiker sagen:

«Säumige Zahler managen Budget falsch».

Mir platzt der Kragen 👿👿👿.

 

«An Menschen,

deren Budget zu gering ist,

als dass es viel zu «managen» gäbe,

scheinen sie nicht zu denken!»

 

Mein Einkommen von Fr. 2`876.- kann ich drehen

und wenden wie ich will,

es reicht nicht für mich und meine Kinder.

 

Klar ist,

setzen die Kantone säumige Versicherte auf die schwarze Liste,

tun sie nichts anderes,

als sie von der medizinischen Grundversorgung abzukoppeln.

Was einerseits eine fragwürdige Strafaktion gegen Menschen ist,

die vorübergehend ihre Finanzen nicht im Griff haben

und anderseits die wirtschaftlich Schwächsten drangsaliert. 

Tatsache ist,

dass so bereits viele Arme

den Zugang zu gesundheitlichen Dienstleistungen verloren haben.

 

Auf ein solches System bin ich nicht Stolz,

weiss dennoch nicht,

was ich tun kann,

damit es geändert wird. 

 

«Hast Du eine Vision zur Verbesserung unseres Krankenkassensystem?»


Viele verdienen zu viel für die Sozialhilfe,

aber zu wenig um durchzukommen!

 

«Wer sind denn,

die Leute,

die Ihre Prämien nicht bezahlen?

und nützen Sie tatsächlich alle das System aus?»

 

Es trifft als erstes die Wehrlosen:

Working Poor

arbeiten auf Abruf

Prozent arbeiten

alleinerziehende Mütter und Väter 

psychisch und chronisch Kranke

Hoch­betagte

Obdachlose

Flüchtlinge 

Sie alle haben Schwierigkeiten ein Budget zu erstellen,

um es einzuhalten. 

 

Zudem hat die finanzielle Situation eines Patienten

Einfluss auf die Qualität seiner Behandlung.

 

Auf meine Anfrage beim Gesundheitsamt,

wurde wie folgt geantwortet:

«Die Gratwanderung zwischen der verlangten Kosteneffizienz

und dem ärztlichen Ethos sei heikel. 

Mit jeder Entscheidung,

eine Untersuchung

oder Behandlung aus Kostengründen nicht durchzuführen,

betritt man als Arzt/Ärztin eine rechtliche

und ethische Grauzone.

Und mit jeder geleisteten medizinischen Grundversorgung

aus­serhalb von Notfällen –

die man dennoch als Notfall deklariere

und durchführe,

um dem Genfer Gelöbnis

des Weltärztebunds zu folgen –

riskieren Ärzte Ärger mit der Krankenkasse». 

 

😡😞

 

Schlussendlich half mir der Sozialdienst,

der Gemeinde.

Somit konnte mein Fuss in aller Ruhe heilen.

 

Doch wie sieht es mit Patienten und Patientinnen aus,

die sich keine Unterstützung beiziehen?

Ich bin neugierig auf Deine Geschickte und Deine Erfahrungen.

Gerne darfst Du mich kontaktieren.

 

 

Oh,

fast habe ich den Schokoladenkuchen vergessen.

Ich finde übrigens auch,

es spricht nichts dagegen,

heimlich vom Kuchen zu naschen,

auch wenn er noch warm ist.

 

«Was meinst Du, naschen wir gemeinsam?» 😉


 

Ich lade Dich

 

AUF EINE TASSE TEE MIT LISA ein  --->

wo wir DIE LIEBESERKLÄRUNG AN DIE SEELE richten  --->

wo es oft HIMMLISCH TIERISCH zu und her geht  --->

und REISEN AUF UMWEGEN den Tag versüssen  --->

jedoch NIEMANDSKINDER zum Nachdenken anregen  --->

 

Ich freue mich auf Dich

Lisa

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