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SO EINFACH GEHT ORDNUNG

Bei Erwachsenen kann ADHS zu deutlichen Einschränkungen und Problemen im Alltag, Job und Privatleben führen. Konzentrationsprobleme, Schwierigkeiten in der Partnerschaft, Organisationsschwierigkeiten ...  All das kann den Alltag für die Betroffenen zum Spiessrutenlauf machen.

Im Chaos zu ersticken, kenne ich als ADHS Betroffene zu Genüge. Auf der Arbeit gebe ich mein Herzblut her und bin abends von den vielen Eindrücken und Geräuschquellen, die auf mich einwirken, niedergeschmettert. Das Geschirr bleibt liegen, auf dem Schreibtisch ist der Autoschlüssel unter dem Werbematerial unauffindbar und im Kleiderschrank herrscht pures durcheinander. Bis Zimmer, Keller, Garage oder Werkstatt wirklich entrümpelt und aufgeräumt werden, vergeht meist viel Zeit. Dabei ist es relativ einfach, Ordnung zu schaffen, ohne ständig aufräumen zu müssen.

 

Natürlich empfindet jeder Unordnung anders. Was für den einen bereits an Messi-Wohnung erinnert, ist dem anderen gerade gemütlich genug. Den individuellen Grad der Ordnung kannst nur Du für dich selbst definieren. Der Weg zum aufgeräumten Heim, führt aber stets über ein beherztes Entrümpeln der Wohnung.

Deshalb: Entrümpeln solltest Du nicht nur beim Umzug!

WER SEINE WOHNUNG, BALKON, KELLER, ESTRICH UND GARAGER EGELMÄSSIG AUFRÄUMT, FINDET NICHT NUR VERSCHOLLENE SCHÄTZE UND UNIKATE WIEDER, SONDERN SPART AUCH VIEL GELD UND LEBT EINFACH BESSER

Als ADHS Betroffene und Betroffener wirst Du nun sagen, alles Recht und Gut, das funktioniert nur, sofern nebst Job keine Probleme auftreten; und keine Kinder, welche den Plan reichlich durchkreuzen und dein Leben bereichern. Stimmt! Und Kinder sind zusätzlich eine Herausforderung für uns ADHS Betroffenen.

Ich erkläre, wie ICH sinnvoll entrümple und die Lust am Aufräumen nicht verliere. Mich nicht Ablenken lasse und wie man das Ausmisten, Loswerden und Entrümpeln in den Alltag einbaut. Und das kann jede Person umsetzen.

ALLES, WAS DU BRAUCHST, UM DIE WOHNUNG ERFOLGREICH ZU ENTRÜMPELN

Müllsäcke, Kartons, etwas Zeit und den festen Willen aufzuräumen.

So gelingt der Einstig: Fernseher bleibt aus! Radio, oder beschwingte Musik macht gute Laune. Aber Achtung! Musik hat mich oft schon abgelenkt, weil es doch zu verführerisch ist, die Hüften zum Takt zu bewegen. Handy auf Lautlos stellen. Ich halte mein Lieblingsgetränk in Reichweite. Getrunken wird nur im Stehen, ansonsten bleibe ich sitzen und nichts geht mehr.
Entrümple in kleinen Zeit-Etappen: Wenn ich jeden Tag 10-15 Minuten ein klein bisschen Ordnung schaffe, halte ich die Wohnung das ganze Jahr über ordentlich – bei vergleichsweise wenig Aufwand. Deshalb nimm Dir heute den Schreibtisch, oder das Bücherregal vor und morgen den Kleiderschaft, oder Küchenschrank. Kleine Etappen in wenigen Minuten, ist ideal für Leute, die es viel Überwindung kostet aufzuräumen.  Ich stelle den Wecker - 15 bis 25 Minuten, in denen mich gar nichts vom Aufräumen ablenken kann. 
Vorbereiten: Beim Aufräumen, bleiben viele Dinge (im Schrank) liegen, weil man sagt: «Das tut es doch noch, das ist doch noch in Ordnung!» Wer ehrlich zu sich ist – diese Dinge benutzt man nie wieder. Das heisst aber nicht, dass man funktionstüchtige Haushaltsgeräte, Kleidung oder Werkzeuge beim Entrümpeln gleich wegschmeissen muss. Es gibt genügend Alternativen – von reparieren bis verschenken. Sortiere daher Dinge, die Du loswerden willst beim Entrümpeln in beschriftete Kisten: 
Müll entsorgen
Wertstoffe recyceln
Defektes reparieren
Gut erhaltenes spenden, verschenken, verkaufen
Im Keller einlagern
Gehört in einen anderen Raum

MEIN TIPP

Kinder? Kein Problem! Dein Baby ist in einer Babytraghilfe bei Dir. Achte bitte auf Euer beider Sicherheit. Kleinkinder können gute 20 Minuten mit sich selbst Spielen. Ev. hütet eine liebe Nachbarin. Mach ein Spiel aus dem Aufräumen. Insbesondere im Kinderzimmer. Wer trifft die meisten Legosteine in die Legobox. 
Entrümple in kleinen Etappen. Beginne in einer Ecke des Raumes – oder mit einem Möbelstück. Was einmal aufgeräumt wurde, gilt fortan als «unordnungfreie Zone» – hier darf fortan nichts mehr abgelegt werden, was nicht gerade benutzt wird oder dorthin gehört.
Richtig ausmisten! Leere die Schubladen und Schränke immer zuerst komplett aus, um dann nur die Dinge wieder einzuräumen, die dorthin gehören.
Praxistipp: Ist der Schrank einmal leer, nutze die Gelegenheit, ihn gründlich auszuwischen und gegebenenfalls gleich kleine Reparaturen auszuführen. 
Ganz wichtig: Was Abfall ist, direkt entsorgen, damit es nicht liegen bleibt. Nichts Nachkaufen – sonst war das Entrümpeln schnell umsonst. In Keller und Abstellkammer lagert in der Regel viel Überflüssiges. Brauchst Du doch mal ganz dringend die Nähmaschine oder das Brezeleisen – frage zuerst in der Nachbarschaft oder Verwandtschaft nach, ob sowas nicht jemand ausleihen kann.

BEIM ENTRÜMPELN WIRD MAN UNVERMEIDBAR MIT DER FRAGE KONFRONTIERT: «BRAUCHE ICH DAS NOCH?»

Natürlich lagert im Haus nicht nur Nützliches sondern auch liebgewonnene Erinnerungsstücke. Aber, wer folgende Fragen mit «Nein» beantwortet, kann das Objekt in seinen Händen getrost auf den Sperrmüll geben.

  • Habe ich den Gegenstand im letzten Jahr benutzt?
  • Ist er noch funktionstüchtig?
  • Bedeutet mir der Gegenstand etwas?
PRAXIS TIPP
Kinderzeichnungen, nur die schönsten Bilder behalten. Gebasteltes abfotografieren und nach den drei Fragen oben verfahren. Fotos einscannen und zu einem Fotojahresbuch verarbeiten. Bücher sind als eBooks erhältlich. Reise und Länderinformationen, Kochrezepte, Gesundheitsratgeber etc. sind online abrufbar. Was die letzten 2. Jahre nicht gebraucht wurde kommt weg.

MOTIVATION FÜRS AUFRÄUMEN SCHÜREN

Mit der «Gehört woanders hin Kiste» setzt Du beim nächsten Mal das Aufräumen fort. Raum für Raum wird so aufgeräumt, ohne dass Du den falschen Zweck erfüllen musst, das komplette Haus/Wohnung an einem Wochenende aufräumen zu müssen. So bleibt auch die nötige Motivation hoch, um weiterhin Ordnung in der Wohnung, dem Keller oder der Werkstatt zu sorgen. Denn ohne diese kleinen «Tagessiege gegen die Unordnung» würde man schnell die Lust verlieren und dem grossen Ziel, das komplette Haus, oder Wohnung zu entrümpeln kaum näherkommen.

  • Zuallererst muss man die Ordnung wollen. Wer sich im gepflegten Chaos wohlfühlt, wird immer eine Ausrede finden, nicht entrümpeln zu müssen
  • Der Blick in den Mülleimer oder auf den Sperrmüll-Stapel macht stolz. Das habe ich schon geschafft.
  • Kleine, machbare Ziele setzen.
  • Immer noch Mühe? Arbeite dich konsequent im Uhrzeigersinn durch den Raum, im Regal von oben nach unten – so kann man unbequemen Arbeiten nicht aus dem Weg gehen.
  • Achtung! Der Job ist erst erledigt, wenn der Sperrmüll entsorgt ist. Bringe die Dinge Zuende – egal, was mit den ausrangierten Dingen geschehen soll (spenden, im Keller einlagern, entsorgen).

ENTRÜMPELN VOR DEM UMZUG

Spätestens drei Monate vor dem Umzug, helfen die Entrümpeln-Regeln, das Haus oder die Wohnung für den anstehenden Umzug zu entrümpeln:

  • Alles was defekt ist, oder nicht richtig funktioniert, wie stumpfe Messer, trübe Gläser, verwaschene Kleider, kommen weg. Oder zum Basteln weiter verwerten. 
  • Bringe Dinge sofort in das Zimmer, wo sie hingehören – das erleichtert später das Packen der Umzugskartons und erspart lästiges Suchen beim Auspacken.
  • Entsorge Gegenstände, die Du in der neuen Wohnung nicht mehr brauchst, wie etwa alte Heizlüfter. Die neue Wohnung hat eine Sonnenstore – weg mit dem Sonnenschirm, ...
  • Miste vor allem bei Porzellan, Büchern, CDs & vollen Aktenordnern aus. Second-Hand-Märkte freuen sich über deine Spende – und dein Umzugshelfer, wenn die Kisten leichter sind!

KINDER UND ORDNUNG, GEHT DAS?

Aufgeräumt, aber nicht steril! Das ist ein schwieriger Spagat – zumal wenn Kinder mit wohnen. Der gute Vorsatz «mal endlich Ordnung schaffen»  ist ebenso schnell gefasst.