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WAS IST SCHLIMMER - GEHÖRLOS ODER TAUB?

Mein Hund liegt unter der Parkbank, auf der ich mich niederliess. Links und rechts von mir sind weitere Sitzgelegenheiten. Zu meiner linken Seite ist die Parkbank von zwei jungen Frauen besetzt, die mit ihren Handys beschäftigt sind. Rechts von mir sind ebenfalls zwei Personen. Es ist still, nur das rauschen der Blätter, welche vom Wind hin und her wiegen, ist zu hören. Dennoch unterhalten sich die beiden Personen zu meiner rechten Seite - in Gebärdensprache. Es fasziniert mich. Auch die beiden jungen Frauen schauen nun hin. Dann richtet die eine junge Frau ihr Handy auf die beiden Personen die sich Gebärde unterhalten und filmt diese vermutlich. Dabei meint sie: «Das sind Taubstumme!» und beide fingen an zu kichern. Nicht nur das ich empört über das Benehmen der jungen Frauen bin, denn es gehört sich nicht, sich über andere lustig zu machen und ohne Erlaubnis zu Filmen. Deshalb mache ich mich breit und versperre der jungen Filmerin die Sicht. Dabei bringt mich der Begriff «Taubstumm»  ins grübeln.

 

Zwischen den beiden Begriffen «gehörlos» und «taub» besteht kein Unterschied. Irrtümlich werden Gehörlose heute noch als «taubstumm» bezeichnet, da sie ihre Hände für die Kommunikation benutzen. Das Wort «taubstumm» wird daher als diskriminierend empfunden. Richtig heisst es «taub» oder «gehörlos». Wenn jemand die Gebärdensprache nutzt, heisst das nicht, dass sie nicht sprechen können - Mimik und Hände sind Sprachrohr.

 

GEHÖRLOS IST NICHT SPRACHLOS

Du bist gehörlos, aber nicht sprachlos, bist taub, aber nicht stumm!

Ich will mehr wissen, richte mich den beiden Personen in Gebärdensprache zu und mache eine etwas unbeholfene Winkbewegung in ihre Richtung. Sie sehen es und wenden sich mir zu, erst jetzt schiesst es mir wie ein Plitz durch die Gedanken, wie zum donner verständige ich mich? Doch nun ist es zuspät. Mehr lallend als deutlich sage ich, das mich die Gebärdensprache fasziniert, ich gerne mehr darüber wissen möchte. Dabei fuchtelte ich mit meinen Armen vor mir rum. Damit will ich meinen Worten eine visuelle Kraft geben, die allerdings verwirrend ist. Ich weiss selbst nicht was ich da tue. Kurzerhand nahm ich Kugelschreiber und Notizblock hervor. Denn ich konnte sie nicht verstehen, hingegen sie mich schon. beide sind gute Lippenleser. Und so erfuhr ich einiges über die Welt der Gebärdensprache.

 

Rund 70 Millionen gehörlose Menschen gibt es weltweit. Nur schon in der Schweiz sind 10’000 Menschen seit der Geburt gehörlos oder stark schwerhörig. Aber wie können Gehörlose das Telefon, das Weinen des Babys oder den Wecker wahrnehmen? Die meisten hörenden Menschen haben sich noch nie überlegt, was es eigentlich bedeutet, wenn man alles kann - ausser hören. Und dies fängt schon bei den einfachsten Sachen an. Eine Gehörlosigkeit kann jeden jederzeit treffen. Deshalb will ich mit diesem Blogartikel darauf aufmerksam machen und Denkanstösse liefern.

 

Auf das Thema Gehörlos kam ich schon etliche Jahre früher, weil in meinem Wohnviertel jemand ist, der Gehörlos ist. Mir ist es ein persönliches Anliegen die Menschen, die mir auf der Strasse begegnen, zu begrüssen. So auch den jungen Herrn, dem ich Tagtäglich begegne. Er lächelt, ein sympathisches Lächeln und winkt mit der Hand. Die Tage darauf das gleiche. Warum sagt er nicht einfach «Grüezi»?

Wie es der Zufall will, absolviere ich ein Praktikum in einem betreuten Wohnen in Münchenbuchsee. Hier im Einkaufszentrum begegne ich dem jungen Mann in Begleitung von anderen Personen. Was ich sehe fasziniert mich. Die Arm- Handbewegungen, die Mimik, sie ziehen mich in ihren Bann. Ich, sie vermutlich auch, haben das im Fernsehen oder sonst wo, schon gesehen - sie unterhalten sich in Gebärdensprache. Jedoch habe ich mir nie Gedanken über ihre Wahrnehmung gemacht. Meine Neugier ist geweckt. Denn in Zukunft möchte ich den Herrn mit Gebärde begrüssen, was dank Google schnell erforscht und trainiert ist. Voller Stolz begrüsse ich den Herrn mit der Gebärde «Hallo».

 

HÖREN - NICHT HÖREN

Ich kann mir eine Welt ohne Sound nicht vorstellen, selbst wenn alle Geräte ausgeschaltet sind und kein Wind weht, nehme ich Geräusche wahr. Wie ist es aber, wenn nun gar nichts zu hören ist? Ich empfehle jedem folgendes Experiment auszuprobieren:

 

DIE VERSTÖRENDE WIRKUNG DES STILLSTEN ORTES DER WELT

Jeder mit kleinen Kindern, einer Wohnung mit nervigen Nachbarn oder lärmender Autobahn/Eisenbahn in der Nähe, kennt diesen innigen Wunsch nach Stille. Einmal nur für ein paar Minuten stille, das wäre grossartig. Wer so einen Moment kompletter Geräuschlosigkeit wirklich erleben möchte, für den hat die Firma "Orfield Laboratories" im US-Staat Minnesota, dass perfekte Angebot - den stillsten Ort der Welt. 99,99 Prozent der Geräusche, werden in einem Studio der Firma absorbiert. Das ist so viel, dass man in diesem Raum sein Blut fliessen hört.

Nun ja, das liegt nicht um die Ecke und etwas Vergleichbares fand ich hier leider nicht. Wo findet man dicke Wände mit einer Spezialkonstruktion, wie etwa Wände aus Eierkarton oder etwas Vergleichbarem. Ich will das Gefühl wecken, als sei ich von der Welt abgeschnitten und keine Geräusche, kein Quietschen oder Rauschen im Hintergrund stört. Ein Tonstudio kommt dem der Firma Orfield Laboratories, am nahestehen.

 

JE RUHIGER DER RAUM, DESTO MEHR DINGE HÖRT MAN

Da stehe ich nun, im Tonstudio und lausche. Wusstest Du, dass eine Glühbirne auch ein Geräusch von sich gibt? Ist tatsächlich so. Doch was sich jetzt so perfekt für jeden Lärmgeplagten anhört, ist zumindest für mich gar nicht so angenehm. Vor allem dann nicht, wenn auch noch das Licht ausgeschaltet wird, um auch die letzten Geräusche zu eliminieren. Man hört den eigenen Herzschlag, nimmt die eigene Lunge und den Magen plötzlich wahr. Im schalltoten Raum wird man selbst zum Geräusch. Nach nur 109 Sekunden musste ich den Raum verlassen. Schon nach kurzer Zeit hatte ich Gleichgewichtsstörungen und Schwindel Gefühle. Ich musste mich hinlegen. Als bekennende «Zappelpeter» macht mich diese Stille wahnsinnig. Natürlich kann ich es nach diesem Experiment nicht nachvollziehen, wie es sich anfühlen muss keine Geräusche wahrzunehmen, aber es hat mich sensibilisiert. Mittlerweile beherrsche ich das Fingeralphabet und hatte schon einige berührende und bereichernde Begegnung.


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LISA HILAFU-BRÖNNIMANN

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