BEGRIFFSERKLÄRUNG FSZM

Vielen ist nicht bewusst, dass die Freiheiten die wir heute geniessen,

wie Partnerwechsel, Konkubinat, uneheliche Kinder, Abtreibungen,

 

noch vor einigen Jahrzehnten in der Schweiz, jedem zum Verhängnis werden konnte.

Also nicht nur Kinder fremdplatziert wurden,

auch Eltern und Erwachsene mit Sanktionen und Versorgungen rechnen mussten.

 


Fürsorgerische Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 (FSZM) sind ein düsteres Kapitel der Schweizer Sozialgeschichte. Als selbst Betroffene wurde es zu einer meiner Lebensaufgabe, dass das Unrecht Anerkannt und Aufgearbeitet wird.

Das ich hier Sachlich bleibe und nicht Emotional ausschweife, bin ich der Tragweite des Themas schuldig. Und so lade ich Dich ein, Dich über die verschiedenen Aspekte und Hintergründe dieses vielschichtigen Themas näher zu informieren. Dann wird man verstehen wieso ich bin, was ich heute bin.


Manche von uns waren im Lauf ihrer Kindheit - Jugendzeit

sowohl Heimkind als auch Verding- Pflege- und Adoptivkind.

Erlitten Zwangsabtreibung, Zwangssterilisation, -kastration,

Zwangsadoption und auch administrative Versorgung.


 

BEGRIFFSERKLÄRUNG FÜRSORGERISCHE ZWANGSMASSNAHMEN = FSZM

 

Bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wiesen Armenpflegen, Waisenämter, Vormundschaftsbehörden, oft auch in Zusammenarbeit mit privaten Institutionen, wie etwa Jugendschutzkommissionen, Pro Juventute, Seraphische Liebeswerke, Gotthelf-Stiftung, Heilsarmee, Frauenvereine, Armenerziehungsvereine, Mutter-Kind-Heime, religiöse Institutionen - Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, aber oft auch deren Mütter und Väter, in Anstalten ein, weil ihnen Liederlichkeit, Arbeitsscheu oder lasterhafter Lebenswandel vorgeworfen wurde.

 

Sehr oft wurden diese Einweisungen und administrativen Versorgungen angeordnet, ohne dass den Betroffenen das Recht auf eine gerichtliche Überprüfung eingeräumt worden wäre. Vielmehr genügten dazu einfache Verfügungen, oft auch bloss mündliche Abmachungen unter denen die Schicksale dieser Mitmenschen bestimmt wurde. Auch an den Orten, wo die Betroffenen im zuge solcher „Versorgungen“ untergebracht wurden, wurden die Rechte vieler Betroffener nicht gewahrt.

 

Kinder wurden als Kost-, Verding-, Pflege-, Heim- und Adoptivkinder oft schlecht ernährt und gekleidet, viele wurden psychisch und physisch Misshandelt, auch sexuell Missbraucht. Zahlreiche Jugendliche und Erwachsene wurden in Strafanstalten oder geschlossenen Abteilungen von psychiatrischen Anstalten untergebracht und verbrachten dort den Alltag mit Strafgefangenen oder psychisch Kranken.

Die Eltern der so Inhaftierten wurden in vielen Fällen im Unklaren über das Schicksal ihrer Kinder gelassen. Wenn sie sich dagegen wehrten, kam es nicht selten vor, dass sie selber in Zwangsarbeitsanstalten oder in psychiatrische Kliniken eingewiesen wurden.

 

In den Anstalten selber kam es vielerorts zu schwerwiegenden Verletzungen der persönlichen Integrität. Besonders gravierend ist aus heutiger Sicht die hohe Anzahl forcierter Adoptionsverfahren mit der Folge, dass sehr viele der betroffenen Mütter noch heute nicht wissen, wo ihre Kinder sind. Es kam auch zu Zwangsabtreibungen und zu Zwangssterilisationen und Kastrationen, insbesondere an unverheirateten Frauen und Männer aus der Unterschicht. Wobei zu letzterem einzig im Kanton Waadt eine gesetzliche Grundlage bestand.

 

Immer wieder wurden die Betroffenen vor die Alternative gestellt, entweder diese schwerwiegenden medizinischen Eingriff über sich ergehen zu lassen, oder aber lebenslänglich in Anstalten interniert zu verbleiben. Manche Sterilisationen und Kastrationen wurden ohne Wissen der Betroffenen durchgeführt und beispielsweise als Blinddarmoperationen ausgegeben.


KOSTGELD-, VERDING- & PFLEGEKINDER

 

Verdingkinder gibt es seit Jahrhunderten, wie ein Streifzug durch die Schweizer Literatur zeigt. Das erste Zeugnis stammt aus dem 16. Jahrhundert. Und die Verdingkinder-Geschichten reissen bis ins 20. Jahrhundert (1978) nicht ab.

 

Die Kinder wurden von den Behörden, von Verwitweten und armen Eltern weggenommen und Interessierten öffentlich feilgeboten. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Kinder oft auf einem Verdingmarkt versteigert. Den Zuspruch bekam jene Person, welche am wenigsten Kostgeld verlangte. Betroffene beschreiben, dass sie auf solchen Märkten "wie Vieh abgetastet wurden.

In anderen Gemeinden wurden sie wohlhabenderen Familien durch Los entscheid zugeteilt. Zugeloste Familien wurden gezwungen, solche Kinder aufzunehmen, auch wenn sie eigentlich gar keine wollten.

Sie wurden auf Bauernhöfe, beim Pfarrer oder besser situierten Familien, als Mägde und Knechte wie Leibeigene für Zwangsarbeit eingesetzt.

 

Nach Augenzeugenberichten von Verding- und Pflegekindern wurden sie häufig ausgebeutet, erniedrigt oder gar vergewaltigt. Einige kamen dabei ums Leben oder begangen Suizid.

Ein Taschengeld erhielten sie nicht und auf schulische Förderung wurde nicht geachtet. Beim Schulabgang wurde sehr vielen eine Lehre verweigert. Sie wurden auf dem Hof als Magd oder Knecht zum billig Lohn Tarif angestellt. Anderen wurde eine Lehre vorgeschrieben, was nicht ihr Wunschberuf war und wieder andere flohen ins Ausland. 

Text: Lisa Hilafu

Bild stammt von Lisa Hilafu


HEIMKINDER

 

Der Alltag im Kinderheim war alles andere als rosig: Prügel, Dunkelkammer, Essensentzug und Zeitweise kam es auch zu sexuellen Übergriffen. Täter wurden nie belangt.

 

Seit Gründung der ersten Waisenhäuser, Rettungsanstalten und Armenerziehungsanstalten betraf es vor allem Kinder aus der Unterschicht sowie aussereheliche Kinder oder Kinder aus diskriminierten Gruppen (Jenische, Fremdarbeiter), zudem Kinder von Suchtkranken und Waisenkinder.

 

Die deklarierte Absicht, diesen Kindern bessere Lebenschancen zu bieten als in ihrem familiären und sozialen Umfeld, scheiterte oft an strukturellen und finanziellen Fragen, die zusammenhingen. Weil die Versorger der Kinder (Fürsorge- und Vormundschaftsbehörden) von den politisch vorherrschenden Gruppierungen auf möglichst tiefe Kosten für solche Institutionen eingeschworen wurden, bevorzugten sie grosse Heime, geführt von billigen Arbeitskräften (oft Angehörige katholischer Orden oder evangelikaler protestantischer Gruppen), die zudem durch angegliederten Gartenbau- und Landwirtschaftsbetriebe mittels strenger Kinderarbeit der Zöglinge die Kosten möglichst tief hielten.

Mädchenheimen waren oft Wäschereibetriebe angegliedert. Ebenso hatten die Zöglinge der geschlossenen Institutionen der Zwangsfürsorge für Jugendliche Zwangsarbeit zu leisten.

 

Das schlecht qualifizierte Personal war durch die hohen Belegungszahlen und das ungünstige Verhältnis von Kindern und Jugendlichen überfordert. Dies führte einerseits zu mechanischer, serieller Pflege, ohne viel Zuwendung zum einzelnen Kind in Säuglings- und Kleinkinderheimen, mit den entsprechenden Erscheinungen von Hospitalismus, sowie zu militärartigem Drill in den Kinder- und Jugendheimen, andererseits aber auch zu Misshandlungen und Gewaltexzessen, bis hin zur Vergewaltigung.

 

Text-Quelle: Thomas Huonker, Historiker

Bild stammt von Müller-Bachmann. Kinderheim Steig bei Appenzell - Prügel, Dunkelkammer, Essensentzug und sexuelle Übergriffe waren Alltag.

 


SCHWABENKINDER

 

Als Schwabenkinder oder Hütekinder wurden die Bergbauernkinder aus Vorarlberg, Tirol, Südtirol, der Schweiz und Liechtenstein bezeichnet, die alljährlich im Frühjahr durch die Alpen zu den Kindermärkten hauptsächlich nach Oberschwaben zogen, um dort als Arbeitskräfte für eine Saison an Bauern vermittelt zu werden.

 

Das „Schwabengehen", das seine ersten Erwähnungen bereits im 16. und 17. Jahrhundert findet, erlebte im 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt.

Es wird geschätzt, dass damals jährlich fünf- bis sechstausend Kinder auf Höfen in der Fremde als Hütejungen, Mägde oder als Knechte arbeiteten. Hintergrund waren die äusserst geringen Bodenerträge und die damit verbundene Armut, die die Eltern dazu trieb, ihre zahlreichen Kinder in die Fremde zu schicken.


Die Wege aus Tirol und Vorarlberg bzw. aus der Schweiz nach Oberschwaben waren lang und beschwerlich. Für einen Teil der meist 5- bis 14-jährigen Kinder führte er über Bergpässe wie den Arlberg, die im März noch von Schnee bedeckt waren und die viele mit schlechtem Schuhwerk und dürftiger Kleidung zu überwinden hatten.

Meist war ein Erwachsener ihre Begleitperson, er sorgte dafür, dass sich die Kinder in warmen Ställen zum Schlafen niederlassen konnten und er auf den Märkten die Preise aushandelte.

Mit dem Bau der Arlbergbahn 1884 wurde die Reise für die Tiroler Kinder erleichtert.

Bild: Die Datenbank umfasst mehrere tausend Kinder, die aus Teilen der Schweiz, Tirol und Österreich nach Oberschwaben kamen.

Quelle: Schwabenkinder


SPAZZACAMINI

 

Im 19. und noch bis Mitte des 20. Jahrhundert, verdingten mausarme Tessiner Familien ihre kleinen Buben für ein Trinkgeld nach Norditalien. Dort mussten die armen Kreaturen als «lebende Besen» Kamine putzen.

 

Die 8- bis 12-jährigen Buben waren von den Padroni, den Kaminfegern, deshalb begehrt, weil sie klein und schmal waren und deshalb die engen Kamine hochklettern und putzen konnten. Waren sie oben angelangt, mussten sie «Spazzacamini» rufen, um zu beweisen, dass sie tatsächlich die dunklen, stickigen Kamine hochgeklettert waren.

 

Die Arbeitsbedingungen waren katastrophal. Zu Essen hatten sie oft nichts und mussten um ein Stück Brot betteln gehen. Schlafen mussten sie in Ställen. Ihr Verdienst war mickrig.

 

Verdingt wurden die Buben im Winter, damit am Familientisch zu Hause in den Tessiner Tälern ein Maul weniger zu stopfen war. Damals herrschte im Tessin teilweise bittere Armut und in den Wintermonaten Hunger. Viele Kinder kamen vom Verzascatal, vom Centovalli und auch aus dem italienischen Val Vigezzo, der Verlängerung des Centovalli. 

Jedes Jahr im Herbst treffen sich im Val Vigezzo Kaminfeger aus der ganzen Welt; im Andenken an die Kaminfeger-Kindersklaven.

Quelle und Foto: Die Kaminfeger - Kindersklaven aus dem Tessin

 


KINDER DER LANDSTRASSE

 

Zwischen 1926 und 1973 wurden Hunderte von Kinder aus fahrenden Familien von der Pro Juventute mit Hilfe der Behörden weggenommen und versorgt. Rund die Hälfte der Kinder stammte aus dem Kanton Graubünden. Besonders betroffen waren auch Familien aus den Kantonen Tessin, St. Gallen und Schwyz.

 

Die «Vaganten» galten als unfähig, ihre Kinder zu «brauchbaren Gliedern» der Gesellschaft zu erziehen.

Deshalb erregten nicht nur fahrende, sondern auch sesshaft gewordene «Vagantenfamilien» die Aufmerksamkeit der Pro Juventute. Auch ihnen wurden die Kinder weggenommen, um sie zu arbeitsamen und pflichtbewussten Bürgern zu erziehen. Wie aus den Akten hervorgeht, stammte mehr als die Hälfte der von der Pro Juventute versorgten Kinder aus unvollständigen Familien. Sie waren also entweder Halbwaisen, ausserehelich geboren oder ihre Eltern hatten sich scheiden lassen.

 

Die strikte Trennung der Kinder von ihren Eltern wurde als Voraussetzung angesehen, dass sich die Kinder rasch an ihre neue Umgebung anpassten. Viele Pflegefamilien waren nur dann bereit, Kinder aufzunehmen, wenn die Eltern keinen Anspruch mehr auf ihre Kinder erhoben und die Möglichkeit einer späteren Adoption bestand. Zwangsadoption war bei den Jenischen Kinder weit verbreitet. Es diente als Ethnische Säuberung.

 

Alfred Siegfried behauptete wiederholt, dass die Eltern das Interesse an ihren Kindern schnell verloren hätten. In den Akten zeigt sich jedoch ein anderes Bild. So wurde den Eltern in mehreren Fällen der Kontakt zu ihren Kindern mit der Begründung verboten, sie übten einen schlechten Einfluss auf ihre Kinder aus.  

 

Bereits im 19. Jahrhundert waren Kinder aus fahrenden Familien ihren Eltern weggenommen und gemeinnützige Gesellschaften mit der Versorgung der Kinder betraut worden. Dem Kampf gegen die fahrende Lebensweise hatten sich weitere private Organisationen verschrieben, so zum Beispiel das Seraphische Liebeswerk. Zudem waren verschiedene Behörden daran interessiert, fahrende Familien aufzulösen. Die gesamte Anzahl fremdplatzierter Kinder jenischer Herkunft kann ohne Einsicht in die entsprechenden Akten nicht beziffert werden. 

 

Pro Juventute beabsichtigte, die ihr Anvertrauten Kinder aus fahrenden Familien in rechtschaffenen Pflegefamilien unterzubringen. Doch schon bald zeigte sich, dass sich nicht genügend Familien finden liessen, die zur Aufnahme eines solchen Kindes bereit waren. Über 80 Prozent der Kinder wurden schliesslich in Kinderheimen und Erziehungsanstalten untergebracht.

Die meisten «Kinder der Landstrasse» wurden von Experten begutachtet. Und über 100 Mündel wurden in Beobachtungsstationen und psychiatrische Kliniken eingewiesen. Aufgrund ihrer Abstammung galten die «Vagantenkinder» als erblich belastet und wurden Vorwiegend in Heimen für schwererziehbare oder minderbegabte Kinder untergebracht.

 

Nur wenige durften eine Lehre machen. Die meisten arbeiteten nach der Schule als Knechte und Mägde bei Bauernfamilien oder als Dienstboten in privaten Haushalten.
Die Fremdplatzierung brachte keine Verbesserung, im Gegenteil, den Kindern mangelte es in den Heimen an Zuwendung. Sie wurden oft geschlagen und aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt und ausgegrenzt.

Text-Quelle: Tatha.net

Bild: Alfred Siegfried überprüft bei einem Mündel die Zähne.


METIKAMENTENTESTS

 

An Heim- und Verdingkindern, sowie an Personen die in der Psychiatrie versorgt waren, wurde ohne ihr Einverständnis nicht veröffentliche Medikamente getestet.

 

Nun berichten Betroffene erstmals von den Qualen. Die Medikamente riefen schreckliche Reaktionen bei den Kindern und Erwachsenen hervor, die vom Heimarzt akribisch dokumentiert wurden.

 

Die Betroffenen leiden noch heute unter dem, was geschehen ist –körperlich und psychisch.


ZWANGSSTERILISATION, -KASTRATION & ZWANGSABTREIBUNG

 

Bis in die 1980ger Jahre wurden in der Schweiz aus Sozialhygienischen und Wirtschaft sozialen gründen, Zwangssterilisationen, Zwangskastrationen und Zwangsabtreibungen durchgeführt. Die Sterilisation oder Kastration durfte zwar nur mit der Einwilligung der oder des Betroffenen geschehen. Um diese Einwilligung zu erhalten, wurde in vielen Fällen enormen Druck, etwa durch die Androhung des Entzuges von Unterstützungsleistungen und  Verwahrung in Erziehungsanstalten, der sogenannten administrativen Versorgung ausgeübt.

 

Auch einer gewünschten Abtreibung wurde vielfach erst dann zugestimmt, wenn die Betroffene Frau in die gleichzeitige Sterilisation einwilligte. Es sind Fälle bekannt, dass bei der Geburt eine widerspenstige ledige Mutter auch ohne ihr Einverständnis sterilisiert wurde. Sowie es Fälle gab, wo das Opfer keine Kenntnis des Eingriffes hatte und erst bei erfolglosem Schwangerschaftswunsch, die Einschneidende Tragik des Eingriff bewusst wurde.

 

Nicht selten haben Opfer heute noch Gesundheitliche Folgeschäden aus dem eingriff.

 

DIE ROLLE DER PSYCHIATRIE

Historiker haben ans Tageslicht gebracht, wie eng viele Psychiater verstrickt waren in Zwangssterilisationen und Euthanasie-Programme im Dritten Reich. Hunderttausende von Menschen fielen diesen Praktiken zum Opfer.

Die Historiker räumen zudem mit dem Klischee auf, dass die Psychiater unter politischem Druck gehandelt hätten. Viele forcierten Zwangssterilisationen, Euthanasie und  Menschenversuche aus eigenem Antrieb. Ganz vorne dabei war der Schweizer Psychiater Ernst Rüdin. Der Psychiater Ernst Rüdin liess Patienten zwangssterilisieren und Kinder ermorden. Und er förderte junge Forscher aus aller Welt - die seine Theorien jahrzehntelang weiter verbreiteten.

 

Kanton St. Gallen Entschuldigt sich bei den Zwangssterilisierten- kastrierten Opfern.

Nach Ansicht der St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann sei diesen Menschen «im Namen des Anstandes und gesellschaftlicher Normen» Unrecht geschehen. Dieses Unrecht könne sie nicht rückgängig machen, schrieb die SP-Regierungsrätin. «Es ist mir aber ein grosses Anliegen, mich dafür als heutige Verantwortliche für die psychiatrischen Kliniken und Spitäler unseres Kantons nachträglich in aller Form zu entschuldigen.»     

 

Die Rolle der Psychiatrie-im-Nationalsozialismus


ZWANGSADOPTION

 

Frauen denen man das Baby oder Kind wegnahm, drohte man mit administrativer Versorgung, sollten sie die Adoptionsfreigabe nicht Unterschreiben. 

Mütter welche die Freigabe zur Adoption verweigerten, sie wurden oft noch zusätzlich Zwangssterilisiert und mit Foltermethoden gefügig gemacht. Viele suchen jetzt noch nach ihrem Kind.

 

Website Zwangsadoption-Schweiz


ADMINISTRATIV VERSORGT

 

Bis 1981 wurden in der Schweiz Tausende jugendliche und  mündige Frauen und Männer, von Vormundschaftsbehörden, Amtsvormündern, Beiständen und Psychiatrischen Kliniken, ohne straffällig geworden zu sein, also ohne jegliche juristische Prozedur, mit fadenscheiniger Argumentation, für meist unbestimmte Zeit, in Strafvollzugsanstalten zur Zwangsarbeit inhaftiert, oder in die geschlossene Psychiatrie versorgt. 

 

Um eine Idee zu bekommen, in welchem Ausmass diese Massnahmen ausgesprochen wurden, muss man sich vergegenwärtigen, dass teilweise die Gefängnisse mit über 50% von Administrativ Versorgten belegt waren! Für den Staat ein lukratives Geschäft. 

Die Opfer wurden für die Arbeit nicht entlohnt und AHV wurde für sie nicht einbezahlt, was sich bei der Pensionierung in der AHV Auszahlung stark auswirkt.

 

Die gängigen Argumente, die den Opfern vorgeworfen wurden, hiessen:

Sie genügten den damaligen Moralvorstellungen nicht. Sie galten als verwahrlost, liederlich, arbeitsscheu und stammten meistens aus schwierigen Familienverhältnissen. 

Ein liederlicher Lebenswandel galt bei Jugendlichen: abends in den Ausgang zu gehen oder eine Partnerschaft ohne Trauschein einzugehen. Zahlte der Vater keine Alimente, weil das Geld ihm fehlte, wurde er zur Arbeitserziehung versorgt und Mütter die sich für ihre Kinder einsetzten und Rekurs verlangten, mussten mit einer Einweisung in die Psychiatrie rechnen.

 

Rekurs Möglichkeiten gab es nicht, denn man musste sich an die einweisende Behörde richten, die Einsprachen wurden von diesen logischer Weise systematisch zurück gewiesen. Neben der Inhaftierung und Zwangsarbeit, wurde von den Opfern oder deren Eltern oder Angehörigen verlangt, dass diese den Aufenthalt im Gefängnis oder in der Psychiatrie bezahlen. Das heisst, es wurden „Pensionskosten“ (Pflegekosten) erhoben.

 

Die administrative Versorgung hatte nicht nur Auswirkung auf die körperliche und seelische Verfassung. Die Opfer sind für ihr Leben gekennzeichnet, als Sträfling oder psychisch Krank zu sein. Was bei den Opfern dazu führte, im Arbeitsmarkt keine Lehrstelle und Arbeit zu erhalten. 

Text-Quelle: Verein RAVIA und Zwangsadoption-Schweiz

Bild: Frauengefängnis Hindelbank

 


AMTLICH VERORDNETE ABSCHIEBUNG INS AUSLAND

 

Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit:

Wirtschaftliche Not trieb im 19. und Anfang 20. Jahrhundert zehntausende Schweizer ins Ausland. Sie waren unsere Wirtschaftsflüchtlinge. Andere wurden zur Emigration gezwungen.

 

So die Rothrister aus dem Emmental hier auf dem Foto:

Die Emigranten, sage und schreibe 13 Prozent der Rothrister Bevölkerung, gingen nicht freiwillig. Sie verliessen ihr Heimatland, weil wirtschaftliche Nöte und die Behörden sie dazu drängten.

Das starke Bevölkerungswachstum – fiel mit der Textilkrise zusammen, was die zahllose kleinbäuerliche Heimarbeiter brotlos machte. Diese Verlierer der Industrialisierung wurden armengenössig, was die verschuldete Gemeinde finanziell schliesslich nicht mehr verkraften konnte und ihre Einwohner dazu zwang - Auszuwandern.

 

Kein Wunder, dass die Behörden in manchen Gemeinden dem Auswanderungswunsch nach Kräften nachhalfen. Die Grenzen zwischen staatlich unterstützter Auswanderung und Abschiebung war fliessend. Besonders arme, arbeitsunfähige und kriminelle Bürger wurden gerne mittels Landesverweis zur Emigration gezwungen. Nicht wenige dieser unerwünschten Armen und Arbeitsunfähigen, Kranken oder Alten kamen bereits während der Überfahrt, die 5 bis 7 Woche dauerte, ums Leben. 

 

Der alte Kontinent lud so einen Teil seines Bevölkerungsüberschusses in der Neuen Welt ab. Zwischen 1820 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 dürften rund 60 Millionen Menschen den Atlantik Richtung Amerika überquert haben. Bei weitem nicht alle von ihnen fanden den erhofften Wohlstand. So mancher mittellose Auswanderer strandete bereits im Zielhafen. Sicher aber ist, dass diese massive Abwanderung für die Herkunftsgebiete in Europa, also auch in der Schweiz, waren dies ab 1850 namentlich die Kantone Graubünden, Tessin, Aargau, Schaffhausen und Wallis, eine merkliche Entlastung darstellten. 

Bild: stammt von Ruedi Rohr.  Er schreibt: Schweizer Auswanderer 1925 in Bremen vor der Überfahrt nach New York.

Ruedi Rohr schickte dieses Familienfoto als Urenkel von Mathieu Jehle (hinterste Reihe, 2.v.r.).

 

 


OPFER UND BETROFFENEN ORGANISATIONEN

 

Zwangssterilisation- kastration & Zwangsabtreibung:

Thata.net

Zwangsadoption-Schweiz

 

Zwangsadoption & missglückte Adoption:

Zwangsadoption-Schweiz

 

administrativ Versorgung:

UEK, Unabhängige Expertenkommission, administrative Versorgungen

 

Heimkinder:

Projekt 'Kinderheime in der Schweiz'

 

Verding-, Kostkinder: 

Verein Geraubte Kindheit
Verein netzwerk-verdingt
Aktionsgemeinschaft Verdingkinder.ch
Verein 'Verdingkinder suchen ihre Spur'
agir pour la dignité

 

Pflegekinder:

Pflegekinder-Aktion Schweiz

 

Adoptivkinder:

Zwangsadoption-Schweiz

Schweizerische Fachstelle für Adoption

 

Fahrende, Jenische - Kinder der Landstrasse:

Stiftung Naschet Jenische
Stiftung 'Zukunft für Schweizer Fahrende'
Radgenossenschaft der Landstrasse
Verein schäft qwant

Thata.net

 

Spazzacamini:

Kaminfeger-Kindersklaven aus dem Tessin

Museo Spazzacamino

 

Schwabenkinder:

Schwabenkinder

 

Saisonniers: 

Verbotenen Kinder der Saisonniers

 

Secondo:

Netzwerk Secondo

 

Ehepartner, Lebenspartner, zweit Generation:

E-Mail

 

Medikamentenmissbrauch:

Verein für Psychiatriebetroffene

 

Psychiatrie Opfer:

Verein für Psychiatriebetroffene

 

sexual Opfer:

Castagna

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